Mit dem Rad zur Kohlalm
Früh raus, solange es noch kühl ist. Das war der Plan — und ein guter. Um halb acht saßen wir in Kössen auf den Rädern, die Sonne stand noch tief, die Straßen noch leer. Genau so mag ich das.

Von Kössen aus geht es zunächst über Bichlach und den Mozartradweg nach Schwendt. Breite Wege, kaum Steigung, angenehmes Warmfahren. Die Wiesen rechts und links noch taufrisch, in der Luft dieser typische Frühsommerduft, der sich schwer beschreiben lässt — frisch, grasig, irgendwie nach Urlaub. Und überall, egal wohin man schaut: der Kaiser. Die Gipfel des Wilden Kaisers begleiten einen auf dieser Tour von Anfang an. Mal tauchen sie rechts auf, mal links, mal frontal — je nachdem, wo man gerade ist. Wer ihn noch nicht kennt, versteht spätestens hier, warum diese Bergkette so einen Eindruck hinterlässt. Markant, nah, unverkennbar.
Bis Schwendt ist die Tour wirklich entspannt — man tritt gemütlich dahin, schaut sich um, kommt in den Rhythmus. Für Familien oder alle, die einen lockeren Ausflug suchen, ist dieser erste Teil schon alleine ein Erlebnis wert.

Ins Kohltal hinauf
An der Einfahrt ins Kohltal ändert sich das Tempo. Asphalt wird zu Forstweg, und der Weg beginnt gleichmäßig zu steigen. Nicht brutal, aber man merkt es in den Beinen. Durch den Wald schraubt man sich Kehre um Kehre bergauf, der Schatten der Bäume an diesem warmen Morgen eine echte Wohltat. Zwischendurch reißt der Wald immer wieder auf — und jedes Mal schaut der Kaiser herein. Mal als breite Silhouette über den Baumwipfeln, mal als einzelner Felsturm, der sich klar vom Himmel abzeichnet. Man gewöhnt sich nicht daran. Sollte man auch nicht.
Der Anstieg ist anspruchsvoller als der erste Teil, aber gut zu handhaben. Man muss seinen Rhythmus finden und drin bleiben, dann geht es. Gleichmäßig durch den Wald bergauf, die Steigung bleibt konstant, und irgendwann lässt der Wald nach.
Plötzlich ist man oben.

Angekommen auf der Kohlalm
Wer nach der Einkehr noch Körner übrig hat, kann das Rad an der Alm stehen lassen. Von der Kohlalm aus starten gleich zwei lohnende Wanderrouten: hinauf auf den Feldberg oder weiter zum Stripsenjoch. Beides klassische Bike-and-Hike-Ziele — Rad bis zur Alm, dann zu Fuß weiter. Der Feldberg bietet einen weiten Rundblick über den Kaiserwinkl, das Stripsenjoch liegt direkt im Herzen des Wilden Kaisers und ist für alle, die tiefer in die Felsen wollen, die richtige Wahl. Beide Zustiege sind gut beschildert und auch ohne Kletterausrüstung machbar. Wer früh genug oben ist, hat die Ruhe noch für sich.
Wir haben diesmal darauf verzichtet. Der Blick von der Alm hat gereicht. Mehr als gereicht.
Die Abfahrt
Der Rückweg geht schnell. Zu schnell fast. Die langen Forstweg-Abfahrten machen Spaß, verlangen aber Konzentration — die Kehren kommen zügig, der Untergrund wechselt. Unten ankommen, kurz durchatmen, und sich fragen, warum man nicht öfter so einen Morgen einplant.
Kurz vor dem Tal dann noch eine kleine Überraschung am Wegesrand: Lamas auf einer Weide. Wir haben kurz gehalten. Musste sein.
Knapp 27 Kilometer, rund 900 Höhenmeter. Eine Tour, die man auch an einem heißen Tag gut schafft — wenn man früh genug loskommt. Und eine, bei der der Kaiser einen die ganze Zeit nicht aus den Augen lässt. Irgendwie passend für eine Region, die seinen Namen trägt.

Stefanie Hamberger, 30 arbeitet beim Tourismusverband Kaiserwinkl und ist mittendrin im Geschehen. Ursprünglich aus Bayern zugezogen, bringt sie mit viel Engagement und feinem Gespür für die Region frische Ideen ein und kennt den Kaiserwinkl aus nächster Nähe. Ob aktuelle Themen, besondere Plätze oder echte Geheimtipps – hier erwarten euch die „Insider Stories“ aus dem Kaiserwinkl!






