Oldtimertreffen voller Nostalgie und Klassiker
Kultige Kutschen in Kössen
Schon eine Stunde vor Beginn des Oldtimertreffens ging es in Kössen ziemlich rund. Überall hörte ich das Knattern von Motoren. Mit einem breiten Grinsen marschierte ich durch die Reihen der Zwei- und Vierradler. Ein Hauch von Nostalgie wehte um mein Herz. Immer wieder entriss es mir ein erstauntes „Wow“, weil die Fahrzeuge teils 70 Jahre und älter waren.
Überall schüttelten sich die Oldtimerfreunde die Hände. Die meisten kannten sich und freuten sich auf einen gemütlichen Ratsch. Das eine oder andere neue alte Gefährt gesellte sich auch hinzu und wurde selbstverständlich ausführlich bestaunt. Ich bin kein Experte auf diesem Gebiet, aber das ist auch nicht wichtig. Es ist abwechslungsreich, sich so viele interessante Oldtimer ansehen zu können.

„Stolz, für den Kaiserwinkl Werbung zu machen“
Inmitten des munteren Treibens schüttelte ein stattlicher, elegant gekleideter Herr im 40er-Jahre-Gewand viele Hände. Der „Jackl“ ist kein Maskottchen, sondern der Ideengeber und Gründer des Treffens, das seinen Ursprung vor rund 25 Jahren nahm. Vor dem offiziellen Beginn zogen aber auch Christian und Herbert die Blicke auf sich. Die beiden kurvten mit den Hochrädern rund ums Gelände. „Das ist schon immer ein großes Hallo, wenn wir herumfahren“, erklären die beiden Organisatoren. Die Räder stammen aus den 1890er-Jahren.
Ein wenig mehr Stabilität als beim normalen Rad braucht es schon, um diese riesigen Dinger schwungvoll fahren zu können. Herbert erinnerte sich an die Anfänge der Oldtimertage in Kössen. „Irgendwann kam der Jackl am Stammtisch auf die Idee, man könnte doch ein Oldtimertreffen machen. Dann haben sich ein paar Leute zusammengetan, um das umzusetzen. So ist das Ganze entstanden.“ Später kamen dann Olditmerausfahrten mit diversen Prüfungen, sogar im Biathlon-Zentrum Hochfilzen, und der Bichlacher Bergpreis hinzu.

Gefährte mit einem eigenen Charakter
Das Schöne an den alten Fahrzeugen ist, dass sie alle einen eigenen Charakter besitzen. Jede Marke hatte ihren eigenen schnittigen Stil. Heute schauen alle ziemlich gleich aus.
Neben mir kam Alfons zum Stehen. Er reiste mit seiner 90 Jahre alten Puch an: „Wenn ich mit ihr unterwegs bin, dann muss schon ein Feiertag sein. Sie fährt noch einwandfrei, dennoch ist es nicht so leicht, wenn mal was kaputtgeht. Schließlich gibt es keine Ersatzteile mehr. Da musst du dann schon ganz lange suchen.“
Sein Kollege nebenan erfreute sich auch an einer ganz alten Maschine, ist aber mit seiner Honda gekommen, weil diese mehr Schmackes hat. Ein bisserl flotter darf es immer noch sein. Vor allem, weil es in den Tiroler Bergen öfter mal richtig bergauf geht.

Alle Oldtimer treffen sich
Das Schöne in Kössen ist, dass man alle möglichen Oldtimer bewundern kann. Auf dem anderen Platz genoss ich wunderschöne alte Autos. Mittendrin entdeckte ich einige alte NSU aus dem benachbarten Bayern. NSU ging später in Audi auf.
Ich steuerte auf ein Paar zu, das mir eine ziemlich abgefahrene Geschichte erzählte. Nicht nur auf ihr Auto, sondern auch auf das Fahrzeug ihres Vereinsvorstandes ist in der Tat scharf geschossen worden. Ich ging kopfschüttelnd weiter. Währenddessen wurde das Treffen offiziell eröffnet.
Direkt im Zentrum standen zwei alte Vespas, denen man das Alter schon ansah. Das italienische Zweirad feierte in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag. Eine Vespa entstammte den 1960er-Jahren, eine war deutlich älter. Gleich daneben ging es schon „pfeilschneller“ zur Sache. Auf einem Podium leuchteten einige Rennmaschinen mit der Sonne um die Wette. Ihre Piloten schossen einst mit bis zu 300 Stundenkilometern um die Rennstrecken.
Und so könnte ich viele Geschichten erzählen über die Herrschaften mit ihren kultigen Kutschen. Vor allem aber blieb der Eindruck einer recht gemütlichen und harmonischen Veranstaltung im Herzen des Kaiserwinkls.

Uli Kaiser, 51, freier Journalist für Sport, Wirtschaft und Kultur, hat in seinem Leben zahlreiche Leistungssportler hautnah begleitet. Er genießt das Leben in der Natur und saugt jede kleine Nuance auf. Schwimmen, Radfahren, Wandern und Nordic Walking gehören zu seinen sportlichen Betätigungsfeldern. Ansonsten macht er sein Hobby zum Beruf. Er genießt Regionen zu entdecken und zu beschreiben, wie Menschen leben und welche Gedanken sie haben.



