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Kaiserwinkl

Skitour zum Sonnenuntergang am Brennkopf

Herrlicher Pulverschnee inklusive

Andreas Gruhle

Andreas Gruhle

Gerade einmal 1.353 Meter hoch ist der Brennkopf und er hat doch alles, was man sich von einem Skitourenberg wünschen kann. Einen wunderbaren Abfahrtshang, der noch Pulver bietet, selbst wenn der letzte Schneefall schon etwas länger her ist.

Das Tourengehen erfährt seit ein paar Jahren einen regelrechten Run. Wer abseits der Pisten aus eigener Kraft hinauf geht und auf den Trubel der Skigebiete verzichtet, ist nachhaltiger unterwegs und eher im Einklang mit der Natur. So die gängige Annahme. Auch die Hersteller befeuern den Hype, indem sie immer moderneres und leichteres Equipment anbieten, das exakt auf die Bedürfnisse von Skitourengehern zugeschnitten ist. In der Realität sieht es aber so aus, dass es an manchen Bergen beinahe zugeht wie auf der Skipiste.

Das Sonntagshorn – höchster Berg der Chiemgauer Alpen im benachbarten Salzburger Land – ist so ein Kandidat. Ein relativ einfach zu erreichender Gipfel und so sind es an schönen Wochenenden hunderte von Tourengehern, die sich am Gipfelhang wie die Ameisen in die Schlange einreihen und am kleinen Gipfelkreuz die Klinke in die Hand geben. Von frischen unberührten Tiefschneehängen, die die Hersteller gern in ihren Produktbildern bemühen, kann schon einen Tag nach dem letzten Schneefall keine Rede mehr sein.

Skitour auf den Brennkopf

Am Brennkopf weht der Wind ein wenig anders und selbst wenn die letzten frischen Flocken bereits ein paar Tage zurückliegen, gibt es auf der Abfahrt noch mehr als genug Platz für frische Spuren im unberührten Powder. Ob die Hersteller vielleicht hier ihre Produktfotos schießen lassen?

Die Abfahrt will sich freilich erst einmal erarbeitet werden. Aber auch das ist am Brennkopf nicht sonderlich schwierig, denn die Skitour auf den sanften Gipfel lässt sich sogar als spätnachmittagliche Sonnenuntergangstour einplanen. Vom Startpunkt beim Moarwirt in Schwaigs unweit des Walchsees bis zum Gipfel und wieder zurück kann mit großzügigen drei Stunden kalkuliert werden.

Für den Aufstieg sind zwei Varianten möglich. Die beiden Varianten führen zunächst von Schwaigs nach Kitzbichl, wo sich die Wege trennen. Der kürzere Weg ist deutlich steiler und führt nach einem kurzen Rechtsschwenk in Serpentinen in den Wald hinein. Ein paar steilere Stücke werden passiert, die bei eisigen Verhältnissen etwas knifflig werden können. Am Waldrand angekommen, wird in mehreren Kurven der recht steile Hang hinauf zur Hitscheralm überwunden. Hierfür sollten die Bedingungen entsprechend sicher sein.

Auch die zweite Alternative führt zur Hitscheralm, wo sich die Aufstiege wieder treffen. Von Kitzbichl geht die aber zunächst nach links, etwas bergab und umkurvt über einen Forstweg den steilen Anstieg der ersten Variante, was sich so etwas komfortabler, aber auch länger gestaltet.

Spätestens an der Hitscheralm offenbart sich ein grandioser Blick hinüber ins Kaisergebirge und hinab ins Inntal. Während die Sonne im Rücken immer weiter dem Horizont entgegen sinkt, ist bald darauf auch schon der Rest des Anstiegs erkennbar und im goldenen Abendlicht kommt das Gipfelkreuz vom Brennkopf immer näher.

Beim letzten Anstieg hinauf zum Gipfel steigt die Vorfreude immer mehr, diesen langen Kamm wieder hinab zu fahren. Vorher heißt es allerdings, einmal oben angekommen, die letzten Sonnenstrahlen begierig aufzusaugen, die Felle im Rucksack zu verpacken und den Blick hinab zum gefrorenen Walchsee und hinüber zum Unterberghorn schweifen zu lassen.

Pulver auf der Abfahrt

Die Abfahrt am Kamm ist auf den ersten Metern wegen des Winds, der den frischen Schnee oft viel zu schnell verbläst, oft ein wenig ruppig und doch lassen sich schon hier kleine Pulverfelder finden. Die Abfahrtsroute folgt hinter der Hitscheralm in etwa dem alternativen und sanfteren Aufstiegsweg und präsentiert einen langgezogenen Hang, an dem sich noch einmal richtig ausgetobt werden kann. Mit jedem Schwung wird frischer Pulver aufgewirbelt, der selbst an Tagen mit beinahe frühlingshaften Temperaturen dank der vor Wind und Sonne geschützten Nord-West-Lage noch wunderbar fluffig ist. In der doch geringen Höhe mag das fast ein wenig überraschen.

Am Ende des langen Hangs geht es nun auf dem Forstweg zurück ins Tal. Abstecher in den Wald sollten besser unterbleiben, da nur unnötig Wild aufgescheucht wird, dass es vor allem in schneereichen Wintern schon alles andere als leicht hat. Nach einem letzten Hang wartet an dessen Ende ein knapp 15 minütiger Gang über die Straße zurück nach Schwaigs. Alternativ lässt sich der mit einem kurzen Gegenanstieg nach Kitzbichl umgehen, um direkt wieder am Moarwirt rauszukommen.

Fazit

Eine Skitour, die überrascht. Der Brennkopf ist kein anspruchsvoller Gipfel und schon in anderthalb bis zwei Stunden erreicht. Bei der Abfahrt lässt sich noch lang nach dem letzten Schneefall frischer Pulverschnee finden.

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