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Kaiserwinkl

Skatingspaß

Die einst verbotene Disziplin

Christiane Flechtner

Christiane Flechtner

Erste Spuren im Schnee am frühen Morgen, die Welt drumherum scheint noch zu schlafen. Völlige Stille – nur ich und die Ski, die langsam durch das kühle Weiß über die frisch präparierte Loipe gleiten. Genau so kann ein perfekter Morgen beginnen, denke ich bei mir.

Doch ein Blick zurück auf den Vortag: Ich habe einen Termin mit Markus Weingartner. Der Betreiber der Langlauf- und Skatingschule Nordic Center in Kössen, hatte mir vor kurzem bereits das klassische Langlaufen nähergebracht. Doch bei Runden auf verschiedenen Loipen, unter anderem der Ewigkeitswiesloipe in Kössen, ist der Wunsch gewachsen, auch einmal das Skating auszuprobieren.

Skating ist – im Vergleich zu den anderen Skiarten und Techniken – eine noch ganz junge eigene Langlaufdisziplin. Erst 1924 wurde sie erstmals bei den Olympischen Spielen am Norwegischen Holmenkollen von Torleif Haug angewandt, später erlebte man auch bei anderen Langläufern, dass sie den Schlittschuhschritt einsetzten. Allerdings nutzten die Sportler die Schlittschuhschritte nur über eine kurze Distanz, beispielsweise im Zielsprint, aber nie über ein ganzes Rennen.

„Ich habe mit dem klassischen Langlaufen begonnen, als ich fünf Jahre alt war“, erinnert sich der 48-Jährige, doch da gab es das Skating als Langlaufdisziplin noch nicht. „Hier habe ich das erste Skatingrennen 1985 als 14-Jähriger in Seefeld mit angeschaut, da war Skating erstmals offiziell anerkannt“, sagt der geprüfte Langlaufinstruktor und ausgebildete SKIKE-Trainer.

Bis es allerdings als offizielle Disziplin anerkannt wurde, war es ein langer und steiniger Weg. Der so genannte Siitonenschritt wurde immer beliebter bei den Sportlern, denn diejenigen, die ihn einsetzten, waren den klassischen Langläufern überlegen. Vor allem bei Massenstarts behinderten sich die Teilnehmer gegenseitig, und so gab es sogar Verbotsversuche der „Untechnik“. Zu Beginn der WM-Saison 1984/85 versuchten die Veranstalter, die Siitonentechnik, die nun bereits Skating genannt wurde, durch Hindernisse mit Slalomstangen, verengende Abschnitte sowie lange und steile Anstiege einzugrenzen. Doch die neue Technik setzte sich bei der WM in Seefeld 1985 durch. Weingartner war als Zuschauer quasi live dabei, als die Weltmeisterschaften des Siitonen- oder Halbschlittschuhschrittes in die Geschichte des nordischen Skisports eingingen. Seitdem blieb der Kössener bei dieser Disziplin und war erfolgreich: Er ist dreifacher Österreichischer Meister im Biathlon und mehrfacher Tiroler Meister in Biathlon und der Langlaufstaffel.

Zurück zur Übungsloipe am Nordic Center: Die richtige Ausrüstung muss es sein, um zu skaten. Dazu gehören spezielle Skatingski und Schuhe sowie ultralange Stöcke. „Die Stöcke müssen zwischen Nase und Kinn enden – so lang sollten sie sein“, sagt der Spezialist Weingartner, „und die Skatingschuhe sind auch fester als für Klassic, weil man grundsätzlich mehr Halt benötigt“, fügt er hinzu.

Wie bei der Klassisch-Unterrichtsstunde ist erst das Aufwärmen dran, leichte Übungen wie Arm- oder Hüftkreisen. Dann – die Skatingski an den Füßen – geht es ohne Stöcke los mit den Übungen. Ein Gefühl für das Gleiten und das Gleichgewicht stellt sich bei mir schon nach wenigen Versuchen ein. Allerdings muss ich mir immer wieder ins Gedächtnis rufen, den Oberkörper einen Tick nach vorn zu beugen. Doch auch das ist bald Routine – und die Stöcke kommen hinzu. Wann setze ich sie ein? Und wie? Markus Weingartner erklärt, dass es wichtig ist, die Stöcke nicht zu weit vorne einzusetzen. „Dann nimmst Du Dir den ganzen Schwung wieder weg“, erklärt er. Und wirklich – danach läuft es viel besser. Insgesamt gibt es übrigens sechs verschiedene Skating-Techniken, die man ohne Kurs gar nicht erlernen kann.

Auch den Wechsel, wann man die Stöcke einsetzt, erklärte er. „Manche Skater laufen seit 40 Jahren immer einseitig, setzen beispielsweise die Stöcke bei jedem zweiten Schritt ein“, erklärt er. „Das ist für den Körper nicht gesund“, sagt er. Schon allein deshalb sei es wichtig, immer mal zwischendurch die Skating-Technik zu wechseln, um nicht einseitig unterwegs zu sein.

Ich bin begeistert. Skating ist genau mein Ding! Und alles, was ich dafür brauche, sind Ski, Schuhe und Stöcke. Die 121 Loipenkilometer sind in der Region Kaiserwinkl eh direkt vor der Nase. Also raus aus dem Haus und rauf auf die Loipe…

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