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Kaiserwinkl

Panorama vom Unterberg

Eins-Sein

Uli Kaiser

Uli Kaiser
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Es zeigt sich ein wunderschöner, wenn auch kein strahlender Tag, als ich mich von meiner Heimat Burghausen Richtung Kaiserwinkl aufmache. Der Herbst grüßt in unterschiedlichen Dimensionen. Noch erkenne ich die bunten Farben eines fröhlichen Herbstes. Vereinzelt sind noch Blätter auf den Bäumen und die Natur macht sich schon langsam bereit für den Winterschlaf. Angekommen bei den Kössener Bergbahnen, steige ich alleine in die Gondel. Am frühen Morgen ist es noch ruhig. Eine Ruhe, die Zeit schenkt, um in sich zu gehen, nachzudenken und das Leben zu spüren.

Langsam fahre ich nach oben. Die Häuser im Tal werden kleiner und kleiner. Ich schwebe über dem Leben, wenn auch noch nicht ganz über den Wolken. Die Sonne, unsere kongeniale Partnerin, ficht noch einen zähen Kampf mit den Wolkengöttern auf. Klar liebe ich den strahlend blauen Himmel, dennoch hat dieses Wetterspiel auch seinen Reiz.

Mit den Wolken auf Du und Du

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Ich fliege sanft über die Wälder. In diesen erkenne ich den herbstlichen Dunst, der sich gleichsam einer Zunge seinen Weg durch die Bäume bahnt. Das leichte Grau hat es eilig. Die Sonne ruft und saugt der einen oder anderen Wolke im Laufe des Morgen ihre Seele aus dem nassen Leib. Der Gondelblick legt einen sanften Blick auf den Walchsee frei. Dieser wohl schon wieder recht frische Freizeitspaß wird von den Bergen des Kaiserwinkl bewacht. Es ist immer wieder ein Bild, das Freude aufsteigen lässt.

Die Gondel bremst und ich steige aus. Der sanft-blaue Himmel spitzt bereits durch die Wolken hindurch. Ich bin mit den weißen Begleitern auf Du und Du, beobachte sich, als sie in manchem Berg festhängen. Diese scheinen sie heute noch eher schweren Herzens freizugeben.

Der Aufstieg beginnt

Jetzt geht´s los mit dem Aufstieg zur Gipfelhütte des Unterberges. Die Landschaft wird felsiger. Auf dieser Höhe ist aber noch Grün vorhanden, an dem sich die Kühe erfreuen können. Ein Vierbeiner ist sehr interessiert an mir. Nach der Ruhe der Nacht ist endlich was los. Ihre großen grauen Augen fixieren mich. Freundlich, neugierig, vielleicht ein wenig verwundert. Ich wandere direkt durch die Wiese der Kühe, die das nicht wirklich stört. Sie haben die Ruhe weg. Es geht einigermaßen steil hinauf in Richtung Gipfelhaus.

Mit jedem Meter an Höhe gewinnt das Auge an Überblick über die Weite des Landes. Schließlich marschiere ich auch einen der drei Panoramawege ab, der unten angeschlagen ist. Ich drehe mich um und blicke durch zwei Berge hindurch. Ich erkenne die sanften, noch verschwommenen Züge des Chiemsees. Es ist ein herrlicher Blick, der einen spüren lässt, wie eng Bayern und Tirol miteinander verbunden sind. Das Meer Bayern ist einst durch einen Meteoriteneinschlag entstanden, der die Charakteristik unserer Heimat vorgezeichnet hat.

Verbindungen spüren

Das Meer Bayerns wird hauptsächlich durch die Tiroler Ache gespeist, die heute ruhig durchs Flussbett plätschert. Wasser ist unser Quell des Lebens, kann aber gleichzeitig auch verdammt zerstörerisch sein. Hell und Dunkel liegen so nah beisammen. Meine Wanderung neigt sich zunächst einmal ihrem Ende. Ich erkenne das Gipfelhaus und frage den Wirt, ob er schon was hat. „Klar“, sagt er, „kannscht kumma.“ Der Tiroler Dialekt taugt mir als Bayer stets sehr gut. In der Hütte angekommen, setze ich mich auf die Terrasse. Die frische Luft tut gut. Es ist immer noch sehr ruhig. Der große Tourismussturm hat noch nicht eingesetzt. Ich genieße meine Landjäger. Die Tiroler würzen herzhaft und jeder Metzger hat dabei sein eigenes Geheimnis. Das ist bei uns kaum noch so. Nach einem erfrischenden Getränk mache ich mich wieder auf den Weg nach unten. Aufs Unterberghorn wandere ich jetzt nicht, weil die Fernsicht leider nicht so toll ist. Aber es wird jetzt immer heller. Das Wichtigste an einem solchen „einsamen“ Ausflug ist, dass ich mich noch mehr mit der Natur verbinden kann. Einfach spüren, was ist. Spüren, wie eng wir mit ihr verbunden sind und sich wieder einmal bewusst werden, dass wir sie achten müssen.

Genuss aufsaugen

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Weiter unten angekommen, sehe ich mit Flieger. Es ist ein lustiges Bild. Die Menge der Wanderer und Flieger hat schon deutlich zugenommen. Mittendrin grasen die Kühe und lassen sich durchaus gerne ablichten. Wenn der Mensch gemütlich ist, dann sind es die Tiere auch. Über den Köpfen der Bergbewohner starten die Paraglider. Sie scheinen mit den Heumilchproduzenten fast zu verschmelzen, was die flinken vierbeinigen Bergsteiger so überhaupt nicht juckt. Ja, wir sind eben ein Teil der Natur, und wenn wir ihr sanft umgehen, spüren wir das Ein-Sein, das uns in den Bergen stets auf wunderbare Weise erdet.

Jetzt geht´s wieder bergab. Ich treffe einen Gleitschirmflieger. Ebenfalls ein Bayer. Er mag so um die 60 sein und bereitet sich gerade auf seinen Start vor. „Ich bin oft hier“, erzählt er, „es macht mir viel Spaß. Heute ist es ruhig. Vor ein paar Tagen waren viele Leute unterwegs.“ Er überlegt, ob er starten soll, weil der Wind nicht so schwungvoll bläst. Doch dann hebt er ab, damit ich ein paar schöne Bilder machen kann. Derlei Genüsse gilt es aufzusaugen. Auf dem Berg verschmelzen alle zu einer Menschenfamilie. Zu einer Einheit, die wir manchmal im Tal sehnlichst suchen.

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Gleitschirmflieger beim Wandern, Kaiserwinkl

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