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Kaiserwinkl

Kunstvolle Zähmung des Eisens

Zu Besuch im Atelier Groß

Uli Kaiser

Uli Kaiser

Christian gibt Gas. Er heizt das Feuer an. Die Flamme leuchtet erst blau, wechselt dann in Orange-Rot. „So um die 1.000 Grad brauchst Du , wenn das Eisen glühen soll“, sagt Christian. Der 26-jährige ist Kunstschmied mit Leib und Seele. Der Meister verbindet auf diese Weise altes, traditionsreiches Handwerk mit viel künstlerischem Geschick. Eisen, Feuer und Hammer sind die Zugaben für ein daraus erwachsendes Kunstwerk.

Wenn Christian Groß über seinen Beruf redet, dann spüre ich in jeder Sekunde die Leidenschaft. Er blickt zu seinem Vater, der das Gespräch mit einem Schmunzeln betrachtet. Er ist auch Kunstschmied. Als der Sohnemann um die fünf Jahre alt war, begann er bereits den Hammer zu schwingen: „Ich habe immer was ausprobiert und oft auch Sachen von meinem Papa abgeschaut.“ Der junge Wilde fand dauerhaften Spaß daran, Eisen kunstvoll zu zähmen.

Seine Augen leuchten genauso wie das lodernde Feuer. Mittlerweile hat es sich eine Eisenstange darin gemütlich gemacht. Schnell beginnt sie in dieser Sauna zu glühen. Immer wieder fliegen Funken. Mich fasziniert das Feuer. Das geht wohl jedem Menschen so. Mich freut, dass es junge Menschen wie Christian gibt, die eine alte Tradition aufrechterhalten und davon leben können. Gerne geben Vater und Sohn ihr Wissen weiter. „Wir hatten zuletzt einen ganz tollen Lehrling, der sogar Bundessieger geworden ist. Der Neue ist aber auch gut“, erzählt der junge Christian. Ich sehe, dass ihm die beiden jungen Leute viel Freude bereiten. Derweil glüht das Eisen. Der Kunstschmied hat einen Schutz umgelegt und nimmt die Stange aus dem Feuer.

Ambos und Hammer warten auf ihren Einsatz. Gleich trifft Eisen auf Eisen. Wieder sprühen die Funken. Geschickt dreht Christian jun. das Eisen in seiner Hand. Die Hand, die das Eisen hält und jene, die den Hammer schwingt könnten die eines Reiters sein, der mit den Zügeln sein Pferd lenkt. Schnelle, präzise Schläge sausen auf die Eisenstange hinab. Sie windet sich, verbiegt sich, wird in der Spitze immer runder. Der Schmied fertigt eine Schnecke. Immer wieder bringt er das Eisen zum Glühen. Jetzt hilft auch Christian sen. mit. Er formt jetzt ebenfalls eine Eisenstange. Es dauert vielleicht 20 Minuten und schon sind zwei Teile entstanden, die sehr elegant aussehen. Zwei kleine Kunstwerke, die das Herz erfreuen.

Die Schmiede des jungen Handwerksmeisters ist die einzige im weiteren Umkreis. Ihr Ruf ist gut und so kommt Familie Kunstschmied sogar bis nach Italien. Vater Christian zeigt einige Fotos der Arbeiten. Am liebsten möchte ich gleich aufbrechen, um ein tolles Gartentor live zu erspüren. „Ja“, denke ich mir, „derartige Werke sind etwas Unvergängliches. Sie stellen einen Wert in einer Zeit der Schnelllebigkeit dar.“

Wir sehen herrliche Treppengeländer und Christian sen. erzählt: „Mittlerweile sind die Schnörkel wieder im Kommen. Zwischenzeitlich hatte das Schlichte die Oberhand.“ Schmieden in dieser Form ist wahre Kunst. Da verwandeln sich durchaus schwere Eisenstangen in scheinbar federleichte Werke. Christian jun. nimmt eine Eisenkugel in die Hand. Wenn er über die Entstehung einer solchen berichtet, klingt das so einfach, so leicht. Der 26-Jährige ist bescheiden. Sein Vater bewundert die Kugel. Bei mir würde alles rauskommen, nur keine Kugel. Wie filigran ein Kunstschmied arbeiten kann, zeigt Christian, als er ein Treppenmodell in die Luft hält. Alles ist so klein und derart präzise ineinanderfließend. Langsam neigt sich mein Besuch dem Ende. Diese Entdeckungsreise hat mir gutgetan. Dieses Handwerk ist greifbar, erlebbar und in dieser Form irgendwie unvergänglich.

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