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Kaiserwinkl

Christiane Flechtner

Christiane Flechtner

Hoch hinaus zum Taubensee

Während hier unten im Tal das Bunt auf dem Vormarsch ist, die grünen Wiesen sich mit den gelben, violetten und blauen Frühjahrsblühern in der Farbkraft messen, zerren weiter oben die warmen Sonnenstrahlen an der immer kleiner werdenden Schneedecke. Und nicht nur meine Wanderschuhe warten ungeduldig auf die erste Bergwanderung – auch mich zieht es nach draußen, nach oben, nach einem Platz mit traumhafter Aussicht.

Der Taubensee ist diesmal das Ziel. Er liegt auf 1138 Metern Höhe zwischen den Kitzbüheler und den Chiemgauer Alpen auf der österreichisch-deutschen Grenze und wird auch „Die Perle des Chiemgaus“ oder „Perle der Alpen“ genannt. Ich bin gespannt, ob die Namen dem Bergsee gerecht werden.

Vom Parkplatz Schaffler am Mühlbergweg geht es gemütlich bergauf. Der Schotterweg führt durch den Wald. Auch hier ist der Frühling in Aktion: Eichhörnchen spielen Fangen und vertilgen die letzten Wintervorräte, während die Bäume ihre jungen Triebe in Richtung Sonne recken. Dann lasse ich den schattigen Bergwald hinter mir und wandere durch eine offene Almenregion mit saftigen Wiesen, die wie ein dichter Teppich wirken. Immer im Blick: der noch halbverschneite Unterberg auf der anderen Seite des Tales.

Jause auf der Frankenalm

Weiter geht es sanft bergauf und nach etwa einer halben Stunde kommt die Frankenalm in Sicht. Auf 990 Metern Höhe liegt sie ganz idyllisch an einem Hang, in der Nähe plätschert der Bergfluss. Wer jetzt schon eine Pause mit Jause benötigt, ist hier gut aufgehoben. Ich genieße ein leckeres Käsebrot mit frischem Kren und ein kühles Bier, bevor es weiter hinauf geht. Ein kleiner Waldpfad führt in Richtung Taubensee. Über eine Schotterstraße erreiche ich dann den steileren Weg durch wunderschönes Bergwaldgebiet, der direkt zur Taubenseehütte führt. Der Wegabschnitt ist recht steil und ich, wie auch die anderen Wanderer, die an diesem Tag unterwegs sind, komme ins Schwitzen. Doch ein Blick ins Gebüsch lässt mich pausieren, denn dort sonnt sich ein Zauneidechsenmännchen. Sein kräftiges Grün leuchtet im noch trockenen Gestrüpp. Ein Schritt näher – und die Eidechse verschwindet im Unterholz.

Dann ist ein lockerer Wander-Endspurt angesagt, das Ziel ist nah. Ich lasse die Taubenseehütte allerdings erst einmal rechts liegen. Zum Taubensee sind es von hier noch einmal rund zehn Minuten. So stapfe ich durch die letzen Schneefelder, die sich noch hartnäckig gegen die Sonne wehren. Doch der Frühling hält auch hier oben auf 1.100 Metern Höhe Einzug. Ich kann es am lauten Quaken der Frösche und Kröten hören. Die Amphibien sind von ihrem Winterquartier massenhaft unterwegs und alle haben nur ein Ziel: den Taubensee, ihr Fortpflanzungsgewässer, zu erreichen und dort ihren Laich abzulegen. Überall hüpfen Kröten – teilweise als „Doppeldecker“ mit den kleineren Männchen „huckepack“ auf dem Rücken, teilweise auch allein – über Schnee, Wiesen und Wege, um ihr Ziel zu erreichen. Ich muss nun genau aufpassen, wo ich hintrete, um nicht auf eine der vielen Kröten zu treten. Dann ist der Bergsee in Sicht – und der Name hat nicht zuviel versprochen: Es ist wirklich eine wahre „Perle“ – tiefblau, idyllisch und klar.

Namensgeber ist ein Krebs

Seinen Namen hat der See übrigens von den im See befindlichen Krebsen, die früher in dieser Gegend „Dauppn“ genannt wurden. Diese kriege ich zwar nicht zu Gesicht, dafür jedoch einen kleinen Bergmolch, der sich in Ufernähe im seichten Wasser des Sees aufhält. Der See ist zum Teil noch mit Eis bedeckt. Kein Gedanke daran, hier schwimmen zu gehen. Im Sommer sollte man jedoch Badesachen mitnehmen – zur Abkühlung mit einem Sprung ins kühle Nass. Übrigens befindet sich die Grenze von Österreich und Deutschland mitten im See. Wer also etwas weiter rausschwimmt, ist dann wohl ein schwimmender Grenzgänger.

Ein paar Fotos von den unzähligen Kröten – dann geht es zurück in Richtung Taubenseehütte. Dort, auf 1140 Metern Höhe auf dem Almgebiet der Schaffler-Kar-Alm, verwöhnt Annemarie Fahringer und ihr Team mich mit leckerer Pressknödelsuppe und Kaiserschmarrn. Übrigens wurden bereits 1904 die ersten Gäste auf der Taubenseehütte bewirtschaftet und seit 1969 befindet sich das Ausflugsziel in Familienbesitz. Geöffnet ist die Hütte das ganze Jahr über, es wartet eine typisch tirolerische Küche auf die hungrigen Wanderer.

Gut gestärkt geht es zurück ins Tal. Etwa eine Stunde dauert der Weg nach unten. Zurück bleiben wunderschöne Erinnerungen an einen ereignisreichen Wandertag...

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