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Christiane Flechtner

Christiane Flechtner

Einmal Schwemm und zurück

Frühlingshafte Fahrradtour zu Nordirols größtem Moorgebiet

Die ersten Frühjahrsblüher recken ihre violetten Köpfchen in Richtung Sonne, der Schnee schmilzt und bildet kleine Bäche. Überall zwitschert es in den Bäumen. Was könnte da schöner sein als eine Radtour am Sonntag? Doch wohin, wenn in höheren Lagen noch Schnee liegt? Einige Gebiete scheiden somit sofort aus der Ideenliste aus. Das Ziel haben mir Birgit Renner und ihr Sohn Luca vorgeschlagen: „Warum fahren wir nicht zur Schwemm?“ Nordtirols größte Moorlandschaft befindet sich im nördlichen Teil von Walchsee und breitet sich über eine Fläche von rund 65 Hektar zwischen Miesberg im Süden und Kitzbichl beziehungsweise Brennkopf im Norden aus. Von Kössen aus sind rund zehn Kilometer zurückzulegen – also bei gemütlichem Tempo gut machbar an einem Nachmittag.

Auf die Radl, fertig, los!

Schnell noch die Reifen aufgepumpt – und dann geht es los. Durch Häuserzeilen in Waidach hindurch und am Golfplatz vorbei, um nicht auf der viel befahrenen B172 radeln zu müssen. Nach einem kurzen Waldstück kommt man zu einer Unterführung die man nützt um auf der anderen Seite der Hauptstraße, über Gundharting nach Walchsee zu gelange. Nach einem steilen Anstieg genießen wir den Ausblick auf die Landschaft. Hier machen sich bereits Leberblümchen und Schneeglöcken breit. An kleinen Höfen vorbei, geht es dann in Kranzach ins Tal. Hier müssen wir am Walchsee entlang ein Stück auf der Hauptstraße fahren, bevor wir rechts in die Alleestraße einbiegen. Grüne Krötenschutzzäune weisen darauf hin, dass die Amphibien schon aktiv unterwegs sind und zu ihren Laichgebieten wandern. Der mobile Zaun mit einer Gesamtlänge von rund 300 Metern verhindert das „Unter-die-Räder-Kommen“ von Kröte, Bergmolch & Co. Dass der Schutz funktioniert, beweisen die Zahlen vom Vorjahr: 2018 wurden 4.000 Amphibien an der Schwemm in Walchsee sicher über die Straße gebracht.

Die Schwemm - ein einzigartiges Naturschutzgebiet

Keine fünf Minuten später ist unser Ziel, der Aussichtsturm des Naturschutzgebietes, in Sicht. Mit seinen 16 Metern Höhe ragt er gut sichtbar aus der Moorlandschaft hinaus. Von oben haben wir einen phantastischen Blick über die zum Teil noch schneebedeckte Schwemm. „Ein ganz schön großes Gebiet“, sagt der elfjährige Luca. Das ist bestimmt das Zuhause von vielen Lebewesen.“

Der von Wiesen und Weiden umrandete Moorkomplex nimmt eine Gesamtfläche von 66 ha ein. Der zentrale Teil liegt auf einer Seehöhe von 665 Metern, und die Schwemm entwässert über den Schwaigsbach und den Ramsbach in den Walchsee. Das Moor ist durch die Verlandung eines Sees entstanden, der beim Abschmelzen der Gletscher nach der Eiszeit zwischen zwei Moränen aufgestaut wurde und mit dem Walchsee verbunden war. Durch das Geschiebe des Ramsbaches wurde die Seefläche später vom Walchsee abgetrennt und verlandete mehr und mehr. Der heutige Zustand zeigt einen zentralen Hochmooranteil, das von einem ringförmigen Zwischenmoor umschlossen ist.

Die Vielfalt der Feuchtflächen macht das seit 2003 bestehende Natura 2000-Gebiet zu einem Naturjuwel. Zum Beispiel findet man von etwa 70 Libellenarten in Nordtirol 33 Arten in der Schwemm. Das Moor bietet zudem einen Lebensraum für zahlreiche Vogelarten wie Neuntöter, Bruchwasserläufer, Rohrweihe, Grauspecht und Schwarzspecht und dient als Brutgebiet für Zugvögel wie Kanadagans, Schnatterente, Krickente, Bekassine, Kiebitz und Wacholderdrossel. Daneben finden sich Fledermäuse wie das Große Mausohr und die Kleine Hufeisennase, Amphibien wie die Gelbbauchunke und der Wasserfrosch und zahlreiche Schmetterlingsarten. Zu den bedeutenden vorkommenden Pflanzenarten gehören Sumpf-Glanzkraut, Rund- und Langblättriger Sonnentau, Sumpf-Bärlapp und Schlamm-Segge.

Es ist ein wichtiges Ziel, diese Moorlandschaft mit ihren einmaligen Tieren- und Pflanzenarten zu erhalten und interessierte Besucher zu informieren. Schilder geben Einblick über einige Tierarten, unter anderem die Hochmoormosaikjungfer, die wie andere Libellenarten wie ein Hubschrauber fliegen kann, oder der Bergmolch und die Wasserspinne. Letztere führt quasi ein Leben in einer Taucherglocke, denn sie kann sich eine Luftblase bauen, in denen sie ihr Leben verbringt.

„Das ist ein schönes Radlziel, auch für Familien mit Kindern“, sagt Birgit Renner. „In ein paar Wochen können wir das gern wiederholen. Dann ist der Schnee komplett verschwunden und die Schwemm vollständig aus ihrem Winterschlaf erwacht.“

Süße Stärkung vor dem Heimweg

Auf dem Rückweg machen wir Pause in einem Café in Walchsee, um uns mit einem Eis und leckerem Capuccino für die Rückfahrt zu stärken. Dann geht es auf demselben Weg retour nach Kössen. Fazit: Ein toller Frühlingstag auf dem „Drahtesel“ in eine beeindruckende Landschaft.

Übrigens: Vom 26. Mai bis zum 6. Oktober findet jeweils von 14 bis 17 Uhr eine kostenlose Entdeckungsreise in die Tier- und Pflanzenwelt der Schwemm mit den Moorexperten und -expertinnen Mau, Steffi., Andi und Gerhard statt Ob Frösche oder Molche, Libellen oder Wasserkäfer, es wird einiges geboten. Neben unterhaltsamen und informativen Spielen werden wir uns auch ausgerüstet mit Fangnetzen auf die Jagd nach den Bewohnern der Moore begeben.

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