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Kaiserwinkl

Dem Geheimnis der Kräuter auf der Spur

Christiane Flechtner

Christiane Flechtner

Flohsamen aus dem Reformhaus und grüne Smoothies im Café – die gesunde Ernährung steht auch bei mir hoch im Kurs. Doch woher kommen die grünen Blätter, die kleinen Kräuter, die Energizer, die mich fit halten? Und was wächst bei mir im Garten oder am Wegesrand? Welche Kräfte haben die kleinen Blüten, Samen und Blättchen? Wofür oder wogegen kann ich sie einnehmen?

Mehr und mehr haben wir uns von der Natur entfernt und kaufen in der Apotheke Pillen und Säfte, um Kopfschmerzen zu verscheuchen, Bluthochdruck zu senken oder ein Völlegefühl im Magen zu vertreiben. Doch viele kleine Wundermittel wachsen direkt vor meiner Nase. Um also mehr über die grünen und bunten Fitmacher zu erfahren, besuche ich die „Kräuterhexe“ Steffi und begebe mich im Rahmen der Kreativen Sommerwerkstätte mit kleinen und großen Teilnehmern auf die märchenhaften Spuren von Kräutern, Blüten & Co.

„Das Universum sorgt für uns“, sagt Steffi, die die Kräuterwanderung in der Almhütte an der Produktionsstätte der Käserei Plangger in Durchholzen startet. „Es wächst immer das Kraut, dass jemand in der Umgebung braucht – das ist kein Schmarrn, sondern wirklich so“, fügt die „Kräuterhexe“ hinzu, die mit richtigem Namen Stephanie Hager heißt. Sie weiß, wovon sie spricht – schließlich hat sie eine zweijährige Ausbildung hinter sich, ist Erlebnis-, Kräuter- und Waldpädagogin und beschäftigt sich das ganze Jahr über mit Kräutern & Co. „Im Frühjahr, Sommer und Herbst sammle ich und im Winter bereite ich Cremes oder Tinkturen zu“, erzählt sie.

Raus auf die Wiese

Nach ein wenig Theorie in der Almhütte geht es – mit Körbchen ausgestattet, auf den Kräuterspaziergang. Weit müssen wir allerdings nicht gehen – da weist Steffi schon auf eine Pflanze mit violetten Blüten. „Das ist wilder Thymian, auch Quendel genannt“, sagt sie, zerreibt einige der Blüten in der Hand und lässt die Teilnehmer nacheinander dran schnuppern. Ein kräftiger Thymiangeruch macht sich auch in meiner Nase breit und ich atme tief ein. „Gut gegen Husten und Erkältung“, sagt Steffi. Der siebenjährige Fynn fängt gleich an, die kleinen Blüten zu zupfen und in eines der Körbchen zu legen. Gleich nebenan wächst das Labkraut, die „Lymphpolizei, die auch Strahlen aufnimmt“, sagt die Kräuter-Spezialistin. „Ein kleiner Kranz davon an eine Ecke des Laptops gehängt wirkt Wunder.“

Wenig später fertigen sich Fynn und die zehnjährige Luisa ihre eigenen Naturminze-Kaugummis mit einem grünen Minzblatt. Einfach das grüne etwas pelzige Blatt in den Kaugummi einrollen – und fertig.
Steffi hält die Schafgarbe in die Höhe: „Sie ist für den Verdauungstrakt gut, wenn man zu viel gegessen hat“, erklärt sie. „Jedes Schaf weiß, wann es genug hat – wir nicht. Da hilft uns dann die Schafgarbe.“

In die Körbe kommen dann nacheinander Schafgarbe, Brennnesselsamen, lila Kleeblüten und Löwenzahnblätter. „Brennnessel ist die Pflanze des Blutes und die Samen sind gut fürs Köpfchen“, sagt Steffi. Löwenzahn sei hingegen ein Leber- und Gallenmittel. „Wir nehmen alle viel zu wenig Bitterstoffe zu uns, und da ist Löwenzahn gold wert“, fügt die Pflanzenexpertin hinzu.

Für das Pflücken der Brennnesselsamen und –blätter ziehen die Schwestern Emiliana und Liuana Schutzhandschuhe an – sonst brennt es. Auch der Spitzwegerich kommt in die Körbchen – in der Blüte befinden sich die Samen. „Die kauft Ihr als Flohsamen teuer in einem Reformhaus, dabei könnt Ihr sie so leicht selbst herstellen – nämlich sammeln und trocknen“, erklärt Steffi.

Ein kleiner Wettbewerb für zwischendurch: Die Kinder basteln aus getrockneten Kuhfladen witzige Gesichter – ein Spaß nicht nur für die kleinen Teilnehmer. Unter einem Holunderbaum – das ist der Schutzbaum der Lebenden und der Toten – wird eine kleine Pause eingelegt, bevor alle wieder zurück zur Almhütte gehen.

Hacken, Schneiden, Zupfen

In der Hütte geht es an die Verarbeitung der gesammelten Werke: Blätter werden gehackt und zerkleinert, Blumen geschnitten und die Blüten des Klees herausgezupft. Ein paar Blüten der Kapuzinerkresse aus dem Blumentopf vor der Hütte machen das Potpourri perfekt. Der Duft nach wildem Majoran, Thymian und anderen frischen Kräutern hängt in der Luft.

Steffi hat bereits einen grünen und einen gelben Couscous-Salat vorbereitet, die nun mit den frischen Kräutern verfeinert werden. Gemeinsam genießen alle das leckere gesunde Essen und plaudern über Kräuter und Pflanzen. Was sie wohl zu Hause sammeln können, um ihre Salate und Gerichte zu verfeinern? In einem Punkt sind sich jedoch alle einig: Unkraut gibt es nicht – vielmehr hat jede Pflanze ihre Wirkstoffe und ihren Sinn.

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