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#wow_kaiserwinkl

Wenn ein ganzer Ort die Ärmel hochkrempelt

Feuerwehr_Fieberbrunn

Vor dem Start des Egaschtfestes ertönten bereits Feuerwehrsirenen. Nicht, weil es irgendwo brannte, sondern weil die Protagonisten des Umzuges in Richtung Festgelände fuhren. Als die Fahrzeuge um die Ecke bogen, zauberten die routinierten Gefährten den bereits anwesenden Gästen ein Lächeln auf die Lippen. Beim Nostalgie-Umzug schauten diesmal uralte Spritzenwagen vorbei.

Ein Gerät glich mehr einer Spritzenkutsche, die von den modernen Fahrzeugen gezogen wurden. Mit der Startnummer drei hielt ein ganz exklusives Gefährt direkt vor meiner Nase. Thomas und Werner hatten sich extra besondere Helme ausgesucht, um ihre Kleidung zumindest teilweise passend zu machen. Werner sitzt auf dem Anhänger und erzählt: „Der Anhänger ist tatsächlich noch aus Kaisers Zeiten. Er wurde um 1900 in Betrieb genommen. Die Spritze stammt ungefähr von 1920.“ Kollege Thomas unterstreicht, dass sie die Spritze tatsächlich noch regelmäßig hochfahren. „Wenn wir das machen, steigt im wahrsten Sinn des Wortes Rauch auf, Sie funktioniert schon noch ganz gut.“ Die alten Maschinen sind praktisch unzerstörbar, was man von den topmodernen Geräten nicht immer behaupten kann. Die Zuschauer jedenfalls hatten Spaß. Ich schaute etwas weiter nach hinten und entdeckte die Freiwillige Feuerwehr Ellmau, die mit zwei Jeeps angerückt waren. Ein Blick auf die Mannschaftsfläche weckt Bundeswehrerinnerungen in mehr. Niedrig, eng und unglaublich gemütlich. Aber hoch auf dem Berg muss das Fahrzeug dann schon gut geländegängig sein, falls es pressiert.

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Ein Gemeinschaftswerk

Trotz der großen Hitze strömten schon sehr viele Gäste auf das Gelände mitten in Walchsee. Als die Uhr kurz nach Elf zeigte, bildeten sich bereits Schlangen an den Essensständen. Es duftete nach knusprigen Hendeln. In einer großen Pfanne küssten sich der Kas und seine Spätzle. Kurz nach dem offiziellen Auftakt war diese schon leer und die nächste Fuhre sollte kurz darauf die Gaumen von Einheimischen und Touristen erfreuen.

Im Herzen Walchsees fanden viele Menschen zusammen, die sich vielleicht zuvor gar nicht kannten. Mitten drin im Getümmel fand ich Christian Waldner. Er ist der Chef der Organisation. „Mir war es wichtig, dass wir dieses Fest weitermachen. Mir war gar nicht bewusst, dass es eine wirkliche Tradition hat“, erzählt der Familienvater. Bereits im letzten Jahr gab es Überlegungen, wie es denn weitergehen sollte. Der Tourismusverband hatte keine Kapazitäten mehr, um es alleine auf die Beine zu stellen. „Nach einigen Sitzungen haben wir es geschafft, dass alle Vereine vom Ort mithelfen. Schon letztes Jahr waren wir mit unserem Verein dabei“, erzählt Christian. Er bedankte sich im Rahmen der Eröffnung bei seiner Frau, die ihm so gut den Rücken freigehalten hatte. Heutzutage gibt es so viele Auflagen. Manchmal frage ich mich, wie wir früher überleben konnten. Die Menschen finden auch ohne überbordenden Kontrollwahn zusammen. Gegenseitiger Respekt und Achtung vor der Leistung, ein solches Festl auf die Beine zu stellen, gebührt allen, die mitgeholfen haben. Immerhin waren rund 90 Ehrenamtliche alleine im Zelt dabei. Mitglieder von sieben Vereinen krempelten die Ärmel hoch. Der Tourismusverband kümmerte sich um den Handwerkermarkt. „Das hätten wir seitens der Vereine jetzt nicht mehr geschafft“, hob Christian Waldner hervor.

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Peter Doil und die Liebe zum Flechten

Rund um das Zelt zeichnete der Tourismusverband verantwortlich. Im Gegensatz zum letzten, sehr verregneten Jahr war der Handwerkermarkt wieder gut bestückt. Diesmal ließ mich das Meer aus Körben nicht los. Große, kleine und derart viele verschiedene Formen. Der Raublinger Peter Doil steht hinter diesem Handwerk, das auch eine wunderbare Kunst aufzeigt. Seit mehr als 50 Jahren flechtet Peter Körbe. Die Weiden kommen aus Spanien. Im herrlichen Südland gibt es keine lästigen Fliegen, die diese Naturgabe als besonders anziehend finden. Aufgrund dieser entstehen Knoten in den Weiden und diese brechen dann. Das wiederum ist nicht der Sinn der Sache. Peter fängt zirka um 11 Uhr an, seine Künste zu zeigen. Für jeden, der etwas Besonderes schenken will, sind Körbe eine gute Idee. Sie können individuell gestaltet werden und halten ein Leben lang. Die Billigware aus Übersee bricht schnell. Dann ist Peter Doil wieder der Richtige, weil er diese Fehler wieder beheben kann. Wie man bei Peter sieht, hält Korbflechten jung und vor allem lebendig. Heute ist er alleine unterwegs. In den Hochzeiten hatte er bis zu 20 Angestellte.

Walchsee feiert das Wir

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Uli Kaiser

Uli Kaiser

Uli Kaiser, 51, freier Journalist für Sport, Wirtschaft und Kultur, hat in seinem Leben zahlreiche Leistungssportler hautnah begleitet. Er genießt das Leben in der Natur und saugt jede kleine Nuance auf. Schwimmen, Radfahren, Wandern und Nordic Walking gehören zu seinen sportlichen Betätigungsfeldern. Ansonsten macht er sein Hobby zum Beruf. Er genießt Regionen zu entdecken und zu beschreiben, wie Menschen leben und welche Gedanken sie haben.

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