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Kaiserwinkl

Almwandern über dem Walchsee

Frühlingserwachen

Andreas Gruhle

Andreas Gruhle

Über drei Almen führt eine leichte Wanderung vom Walchsee und wieder zurück. Auf den Spuren der langsam aus dem Winterschlaf erwachenden Natur.

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Der April ist die Zeit, wo sich die Skitourengeher langsam aber sicher in die höheren Gefilde zurückziehen. Zurückziehen müssen, denn in den Tälern und den niedrigeren Höhenlagen hält unwiderbringlich der Frühling Einzug und verdrängt das alles überziehende Weiß mehr und mehr.

Und doch: Für den Wanderer ist der April nur bedingt zu gebrauchen. Zwar sitzt er mit nervös zuckenden Füßen zu Hause, studiert die Wetterprognosen und freut sich über jede Warmfront, die die Wanderwege endlich vom Schnee befreit. Ähnlich ergeht es den Wanderschuhen, die ihr staubiges Dasein im Keller so langsam satt haben und aufgeregt die ersten Zu-Fuß-Abenteuer des Jahres herbeisehnen.

Allerdings sind selbst kleinere Gipfel noch selten schneefrei, Almen geschlossen und Wege manchmal unpassierbar. Auf der kleinen Almenrunde über dem Walchsee im Kaiserwinkl muss für die Verpflegung zwar noch selbst gesorgt werden, aber die einfache Rundtour bietet einen perfekten Einstieg ins Wanderjahr und sogar etwas Höhenluft lässt sich schnuppern.

Vom Walchsee ins Habersauer Tal

Die Wanderung startet am Südufer des Walchsees, der vom Eis befreit ebenfalls zuversichtlich der warmen Jahreszeit entgegen schaut. Zunächst folgen wir dem Straßenverlauf bis zum markanten Wegweiser, der scharf rechts zum Feldberg und hinein ins Habersauer Tal weist. Bald darauf passieren wir den Ortsteil Aigen (das eigentlich aus nicht viel mehr als einem Hof besteht) und wandern stets parallel zum rauschenden Bach entlang tiefer in das Tal hinein.

Die Vegetation ist noch winterlich entsättigt und auch der Himmel passt sich dem farblosen Szenario an. Nur die Vögel sind sangesfreudig, die Frühlingsgefühle scheinen förmlich aus ihnen heraus zu platzen und nach neu erwachendem Leben zu schreien. Und wenn man genau hinschaut, kann man genau das auch abseits des Weges entdecken. Bäume strecken den letzten Schneeresten im Wald zum Trotz ihre Knospen entgegen, an Büschen sind erste Miniaturblätter zu entdecken und selbst die ersten Frühblüher sind hier und da zu entdecken.

Der Weg führt langsam ansteigend weiter in das Tal hinein. Zeit genug, das, was da blüht, genauer unter die Lupe zu nehmen. Sind es weiter unten noch die weißen Buschwindröschen, die den Waldboden bedecken, sind mit zunehmender Höhe noch andere Frühblüher anzutreffen. Anfangs ziemlich zaghaft und nur vereinzelt, säumen plötzlich kräftig lila leuchtende Leberblümchen den Wegesrand. Direkt am Bachlauf und dort, wo das Wasser in Rinnsalen nach unten strömt, betören quietschgelbe Sumpfdotterblumen. Ebenfalls gelb sind die Alpen-Aurikel, die sich gern an sonnigen Standorten niederlassen und im April bis Juni oft ganze Wiesen überziehen. Die kleinen gelben Huflattichblüten gelten mitsamt ihrer Blätter als hervorragendes Heilmittel bei Atemwegsinfekten.

Nach der kleinen Biologiestunde heißt es Abschied vom Bach zu nehmen. In ein paar spitzen Kehren schwingt sich der Weg aufwärts und teilt sich alsbald. Wir folgen dem Wegweiser in Richtung der Raineralm, die wir fünf Minuten später bereits erreichen. Ein Blick zurück lohnt sich, denn klammheimlich hat sich im Rücken das Tal geöffnet und der Ausblick reicht weit hinein ins noch tief verschneite Kaisergebirge.

Zur Rechten wacht der stattliche Rosskaiser, zur Linken der im Sommer einfacher zu erreichende Feldberg. Über die komplett schneefreie Alm zieht der Weg hinauf zur Schwarzenbachalm nun nochmal etwas an. Äste und lose Steine sind stumme Zeugen des strengen Winters und kurz vor der Alm ist ein echter Schneekontakt unausweichlich. Wie die Raineralm schlummert auch die Schwarzenbachalm noch im Winterschlaf. In der Sonne findet sich aber trotzdem ein verdienter Brotzeitplatz inmitten der ersten Frühlingskrokusse, denn die letzten Höhenmeter sind fast geschafft.

Hinter der Alm geht es die letzten Meter nach oben. Beim kleinen Abstecher zur bewaldeten Kuppe nördlich der Hütte lässt sich ein kleiner See entdecken, den es nur kurze Zeit im Jahr gibt. Zwei Enten nutzen das Schmelzwasser, beanspruchen das lauschige Plätzchen in der für sie ungewohnten Höhe für sich und lassen sich von den unwillkommenen Gästen ansonsten nicht weiter stören.

Der Weg wechselt nun auf die schattigere Nordseite und so ist hier noch mehr Schnee anzutreffen. Trotzdem geht der Abstieg zur Lippenalm schnell vonstatten und auch der Walchsee gibt sich nun die Ehre. Die Lippenalm ruht nach der Wintersaison ebenfalls noch. Über die im Winter als Rodelbahn genutzte Forststraße geht es nun zügig bergab zurück zum Walchsee. Bereits am ersten Wegweiser lässt sich noch direkter über einen schmalen Bergpfad gen See abkürzen.

Fazit

Endlich startet die Wandersaison wieder. Zwar sind die drei Almen, die auf der Tour über dem Walchsee passiert werden, noch geschlossen. Dafür lässt sich hier schon im April eine weitestgehend schneefreie Wanderung finden, die obendrauf noch etwas Höhenluft schnuppern lässt.

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