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Kaiserwinkl

Frühling küsst Winter

Schneeschuhwanderung auf die Edern-Alm

Uli Kaiser

Uli Kaiser

Ich mache mich mit meiner Freundin auf in den Kaiserwinkl. Von Burghausen aus ist es nur ein Katzensprung. Ein Katzensprung, der mit Regen beginnt. Als wir bei Schleching durch das steinerne Tor der Landesgrenze tauchen, schiebt die Sonne langsam die Wolken bei Seite. Noch strahlt sie etwas milchig, aber es ist herrlich. Der Blick auf das Tal, in dem Kössen noch sanft vor sich hinschlummert, öffnet das ohnehin schon hocherfreute Herz.

Schneeberge begrüßen uns. Frau Holle hat sie hoch auf die Dächer gepackt. Ein Winteridyll wartet auf uns, als wir in ein Sportgeschäft gehen, um Schneeschuhe auszuleihen. Das ist eine praktische und äußerst unkomplizierte Sache. Die Einheimischen sind entspannt, natürlich und freundlich. Alles geht entspannt über die Bühne.

Eine Premiere für mich

Für mich steht eine Premiere an. Ich wandere zum ersten Mal mit Schneeschuhen durch die Berge. Einen besseren Tag konnten wir gar nicht erwischen. Als wir gegen 10.30 Uhr eine Route aussuchen, ist es herrlich ruhig im Kaiserwinkl. Es geht über eine Holzbrücke, wo wir parken. Wir nehmen die Gestelle, die wir uns später unter die Schuhe schnallen, unter die Arme und machen uns auf den Weg. Ein paar Meter wandern wir hinauf. Vorbei an einer kleinen Gedenkstätte. Sie zaubert uns ein Lachen ins Gesicht, weil auf dem kleinen Dach eine riesige Menge Schnee liegt.

„Endlich richtiger Winter“, lachen wir beide und weiter geht´s. Ein paar Meter weiter hören wir lautes Lachen. Kinder und auch Erwachsene lassen sich mit ihren riesigen Reifen hinaufziehen und stürzen sich dann ins Tal. Alles locker, alles fröhlich, alles ungefährlich. Wir kraxeln auf eine kleine Schneewand und strahlen. Die Sonne kommt immer stärker raus.

Wir schnallen uns die Schneeschuhe unter die Füße. Wobei diese Teile mehr eine Art Gestell sind, die unser Gewicht so elegant verteilen, das wir beim Wandern nicht in den Schnee einsinken. Unser Ziel ist die Edern-Alm. Der Schnee unter uns ist hart. Schließlich hat es geschneit, dann drauf geregnet und jetzt taut es an manchen Stellen.

Unsere Freundin, die Sonne, gewinnt derweil ihren Kampf mit den Wolken. Hinter dem Bergmassiv und über dem Tal begrüßt uns ein weiß-blauer Himmel. Das Schneeschuhwandern macht Spaß. Wenn das satte weiße Gewand pulvrig ist, schwebst du dahin. Deshalb ist es manchmal eisig und daher ein bisschen wackelig. Immer wieder bleiben wir stehen. Vor und neben uns sehen wir die herrlich ruhige Schneelandschaft. Die Sonne sticht durch den Wald. Ihre Strahlen schweben über die weiße Pracht hinweg. Langsam steigen die Temperaturen.

Die Wanderung ist an manchen Stellen sicherlich anstrengend. Das hängt mit dem festen Schnee zusammen, tut aber auch sehr gut. Der Körper braucht das. Der goldene Planet heizt uns richtig ein. Es wird richtig warm. Jeder von uns kommt zur Ruhe. Diese Ruhe tut unheimlich gut. Eintauchen in pure Natur ist wohltuend für Körper, Geist und Seele. Wir sind weg vom Alltag, von den Massen an Informationen, die uns Menschen meist sinnfrei berieseln. Dafür vereinen wir uns mit dem Berg, der Natur und verschmelzen mit diesem schönen Fleckchen Erde im Hier und Jetzt.

Angekommen auf der Edern-Alm geht´s rein in die Hütte. Die gschmackige Kaspressknödelsuppe mit Salat – eine Kombination, die wir so noch nirgends gesehen haben, füllt uns mit Wärme und Genuss. Gemütlich steigen wir wieder ab. Immer wieder tun uns Blicke auf das weiß-blaue Bergpanorama gut. An manchen Stellen schmilzt der Schnee. Die wohltuende Kraft der Sonnenstrahlen weckt die Vorfreude auf den Frühling. Eine einsame alte Hütte wird von der Sonne beschienen. Die Kinder haben weiterhin Spaß mit ihren Snowtubing-Reifen und rutschen ins Tal. Der Schnee auf den Dächern schwindet sanft, wenn der Frühling den Winter küsst. Wir beobachten die herabfallenden Tropfen. Wasser ist der Quell des Lebens. Dessen Klarheit schafft Erfrischung. Wie schön ist es doch hier im Kaiserwinkl. Wie schön ist es, wenn wir uns wieder auf alle Jahreszeiten in ihrer vollen Pracht freuen dürfen. Es gibt nichts Schöneres als Natur pur, ihre Jahreszeiten und das Aufsaugen vieler kleiner Dinge, die solche Tage für uns bereithalten.

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